Hitzefest im Sattel– richtige Kleidung, die Klimaanlage für Radfahrer

Emilia Romagna – traumhafte Landschaften, gutes Essen und immer schönes Wetter

Viele Deutsche verbringen ihren Urlaub an der Adriaküste, um die italienische Lebensart zu spüren, mediterrane Köstlichkeiten zu genießen und vor allem dem launischen Wetter im deutschen Sommer zu entfliehen. Jedoch kommen nicht alle Grillgermanen gleichermaßen gut mit den am Urlaubsort vorherrschenden klimatischen Bedingungen zurecht. Besonders wenn man in den Ferien aktiv sein und die Zeit für eine Radausfahrt nutzen will, muss man bei heißem Wetter einige Dinge beachten, um cool zu bleiben.

 

Durchlauferhitzer – der Körper als Wärmetauscher

„Schweiß ist Schwäche, die den Körper verlässt.“ Kalenderweisheiten, hier eine der markigen Kategorie, hören sich gut an, sind aber in Bezug auf ihren Wahrheitsgehalt manchmal zweifelhaft.

Ob sich mit dem salzigen Körpersekret tatsächlich vermeintliche Kraftlosigkeit aus dem Körper verabschiedet, darf zurecht in Frage gestellt werden. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass mit jedem Tropfen, den der Körper durch seine Poren verliert, gleichzeitig sich wertvolle Mineralien und Nährstoffe verabschieden. Ganz zu schweigen vom allgemeinen Flüssigkeitsverlust, der auf die Leistung des Radsportlers fatal einwirkt. Denn wie allgemein bekannt ist, besteht der menschliche Körper zu über 60 % aus Wasser.

Eine Möglichkeit, diesen Verlust auszugleichen, ist natürlich ausreichendes Trinken. Dies ist besonders bei hohen Temperaturen für den ambitionierten Hobbyradler unverzichtbar, um Dehydration und im schlimmsten Fall einen Hitzschlag zu vermeiden. Wenn man als ehrgeiziger Freizeitathlet zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt, kann es gut sein, dass man mit den typischen Symptomen von Überhitzung konfrontiert wird: Schwäche, Schwindelgefühle, Übelkeit, unverhältnismäßig hohe Herzfrequenz und Krämpfe.

Man kann nicht nur durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr erfolgreich erhöhten Temperaturen trotzen, auch die richtige Kleidung beugt übermäßiger Austrocknung vor.

Kleider machen Radfahrer

Den erfahrenen Radfahrer erkennt man nicht nur an der korrekten Sitzposition und einem runden Tritt schon aus der Ferne, sondern auch an einer den klimatischen Umständen entsprechenden Kleidung.

Genau wie man nicht im Winter mit kurzer Hose fährt, gilt es auch bei erhöhten Temperaturen, einige Details zu beachten. Diese sind jedoch oft nicht so augenfällig wie bei einer Winterausfahrt. Während der gesunde Menschenverstand bei Kälte nahelegt, sich dicker einzupacken, entpuppen sich bei Hitze Verstöße gegen die Kleiderordnung oft erst, wenn man sich auf weiter Flur befindet und es zu spät ist.

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Unterhemd – für Radfahrer stets in Mode

Während das Tragen eines Unterhemdes normalerweise die Fashion Police auf den Plan ruft und sonst mit eher unsportlichen Tätigkeiten wie auf dem Sofa sitzen, Fernsehen und Kartoffelchips essen in Verbindung gebracht wird, ist dieses Kleidungsstück für Radfahrer im Winter wie im Sommer unverzichtbar.

Im der heißen Jahreszeit wird die Variante eine Netzhemdes bevorzugt, welche gleich zwei Vorteile mitbringt. Erstens verhindert es unangenehmes Reiben des Trikots an kritischen Körperstellen (Achseln, Brustwarzen). Zweitens unterbindet es ein zu schnelles Abfließen des Schweißes von der Köperoberfläche, so dass er als dünner Film erhalten bleiben kann, gleichmäßig verdampft und damit seiner eigentlichen Funktion, der Kühlung des Körpers, gerecht wird. Fließt das Körpersekret nämlich ungehindert ab, kann es kaum Linderung verschaffen. Außerdem wird durch das Unterhemd eine weitere Luftschicht hinzugefügt, die gegen Wärme isoliert und das Körperklima herunterregelt.

Gut geschmiert fährt besser

Für eine längere Radausfahrt ist eine spezielle Hose aus Funktionsmaterial mit einem gepolsterten Einsatz im Schritt unverzichtbar. Auch wenn in diesem Zusammenhang der richtige Sattel eine wichtige Rolle spielt. Bei einer weiten Tour bei heißem Wetter ist diese Einlage mit Gesäßcreme oder Vaseline einzureiben, weil sich hier durch erhöhte Schweißentwicklung Feuchtigkeit bilden kann, was zu unangenehmen Reiben und Ausschlägen führen kann. Wer in dieser Beziehung empfindlich ist, kann auch in der Leistengegend Creme direkt am Körper auftragen, weil das Beinkleid hier erfahrungsgemäß besonders scheuert.

 

Das richtige Trikot – funktionell stilsicher

Bei den berühmten Etappenrennen der Radsport-Klassiker ist die Farbe des Trikots von entscheidender Bedeutung. Gelb, rosa, grün oder rot gepunktete – die Trikotfarbe entscheidet über den Einzug in der Ruhmeshalle der ewig Besten oder den Absturz in die Vergessenheit.

Für Ottopedalverbraucher ist die Farbe eher zweitrangig. Es sollte jedoch wissen, dass weiße Kleidung Hitze besser reflektiert und von Autofahrern besser gesehen wird. Viel wichtiger noch ist ein durchgehender Reißverschluss. Dadurch kann man sich – besonders, wenn man bergauf fährt und der erfrischende Fahrtwind fehlt – Kühlung verschaffen, indem man das Trikot komplett öffnet. Auch sollte es über drei Taschen verfügen, damit mehr Stauraum für Getränke, Wegzehrung und Sonnencreme existiert. Selbstverständlich ist funktioneller Stoff gefragt, der sich nicht vollsaugt, denn solch ein Material hilft, Erkältungen vorzubeugen.

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Hitzkopf – der richtige Helm

Viele Radfahrer entscheiden sich mittlerweile zum Glück dafür, eine Radausfahrt nicht mehr ohne Helm anzutreten. Jedoch gilt es auch, in Bezug auf die schützende Kopfbedeckung und besonders, wenn es heiß wird, einige kleine Unterschiede zu beachten. Andernfalls kann einem die Hitze schon mal zu Kopf steigen.

Für eine längere Radtour empfiehlt sich ein leichter, gut belüfteter Helm. Auf BMX-, oder Crosshelme mit Gesichtsschutz verzichtet man besser, wenn man sein Haupt nicht in einen Dampfkessel verwandeln will. Auch den Regenüberzug sollte man zu Hause lassen, damit Luft ungehindert durch die Öffnungen strömen kann.

Unter dem Helm kann man eine Radmütze verwenden, die ebenfalls verhindert, dass der Schweiß vom Fahrtwind weggeblasen wird und so der Kühlungseffekt verpufft. Außerdem ist dies hygienischer, weil sich so Rückstände des Körpersekrets nicht im Kopfschutz festsetzen und gegebenenfalls sich in lebende Kulturen verwandeln. Der Mützenschirm schützt außerdem zusätzlich vor Sonneneinstrahlung.

Sonnenbrille – nicht nur für den coolen Durchblick

Eine Radsportbrille steigert nicht nur das professionelle Aussehen des Hobbyathleten gleich um mehrere Prozentpunkte, es ist auch ein unverzichtbarer Schutz gegen die erhöhte UV-Strahlung während einer sommerlichen Radausfahrt. Wer hier spart, sollte auch an die Konsequenzen denken. Billige Radbrillen haben Haarrisse in den Gläsern, die das Licht bündeln und wie ein Laserstrahl auf die Augen brennen. So wird genau das Gegenteil davon erreicht, was eigentlich angestrebt wird. Wer hier ein paar Euro mehr investiert, ist besser beraten. Es gibt auch Brillen, bei denen man, je nach Lichtaufkommen, die Gläser wechseln kann und so zum Beispiel auch an einem trüben Tag die Welt durch eine rosa Brille sieht.

 

Zeigt her Eure Schuh

Radsportler brauchen, wie jeder andere Athlet auch, richtiges Schuhwerk. Leichte Schuhe mit einer gehärteten Sohle haben sich bewährt, die durch Klett bzw. durch Drehknöpfe geschlossen werden. Wer bei glühender Hitze jemals mehrere Stunden im Sattel verbracht und dabei schwarze Schuhe getragen hat, weiß, wie es sich anfühlt, auf glühenden Kohlen zu laufen und wird verstehen, dass weißes Schuhwerk nicht nur für Dandys und Tangotänzer in Frage kommt, sondern auch bei Radsportlern im Sommer hoch im Kurs steht. Außerdem gilt: Niemals ohne Socken fahren. An den Füßen sind besonders viele Schweißdrüsen. Diese verwandeln beim Verzicht auf die Fußumhüllung das Innenleben der Schuhe in eine subtropische Klimazone und einen Nährboden für Bakterienkulturen. Vorsicht: Radtreter ohne Socken können an Spann und Ferse gemein scheuern.

Damit nicht nur der Kopf cool bleibt – weiße Ärmlinge

Nicht nur an den Füßen hat sich die Farbe Weiß beim Radfahren bewährt. Auch die Arme, die für Sonneneinstrahlung eine besonders große Aufschlagfläche bieten, können durch die reflektierende Wirkung der Farbe geschützt werden, indem man weiße Ärmlinge überzieht.

Auch wenn er all diese Tipps beherzigt, sollte es der Freizeitradler besonders bei Hitze nicht übertreiben und regelmäßig im Schatten Pause machen, ausreichend trinken und vor allem nur Touren fahren, die dem tatsächlichen Leistungsstand entsprechen.

Text: powered by Canyon